Am Sonntag im Gespräch mit einem Freund ist es mir wieder passiert: das Wort Seele schlich sich ein (er war's!). Ein schönes Wort, selten benutzt, viel zu selten. Jetzt denke ich seit Tagen über die Seele nach. Was ist damit überhaupt gemeint?
Ich kann dem Teufel meine unsterbliche Seele für zwei Tüten Gummibärchen verkaufen. Aber was genau bekommt der Typ da von mir? Ein religiöses Konstrukt? Meinen Charakter? Meine Moralvorstellungen, die man mir mühse(e)lig eingebäut hat?
Ich hab dann heute - nach zwei Tagen sinnlosem Rumdenken - bei der guten, alten Wikipedia geguckt. Die 30+ Seiten habe ich jetzt aber noch nicht gelesen. Erkennbar war zumindest: anscheinend hatte jede Kultur, Epoche, Zeit und Strömung so ihre Vorstellung von etwas, was man Seele nennen könnte. Der Denker greift sich ans Kinn und murmelt nun etwas von einer anthropologischen Konstante.
Und die Seele freut's.
Immerhin, wenn das so ist, dann ist die Seele ja anscheinend von der Religiosität ablösbar oder sogar besser: von ihr unabhängig. Das wäre schön, denn ich würde für eine Renaissance der Seele plädieren. Auch wenn ich immer noch nicht weiß, was es nun eigentlich ist. Meine - für mich - interessanteste Überlegung war, dass das Medium der Seele wohl die Musik ist. Sie tut ihr gut & entspricht ihr sogar in der Körperlosigkeit. (Aber ob das schon reicht?)
Was mir kulturell zur Seele einfällt:
- die Bilderserie aus der TITANIC "Wie sieht die menschliche Seele aus?" Ich kann mich vage an ein gezeichnetes Gekruschel, einen weiblichen Akt und eine Leberwurst erinnern.
In diesem Heft auf Seite 8.
- die "Gebrauchsanweisung für die Seele" der Katholischen Klinikseelsorge vom Universitätsklinikum Düsseldorf - eine Werbebroschüre, die beim ADC 2008 Bronze gewann.
Sie steht sogar im Netz.
Ich sehe mich schon ein philosophisch angehauchtes Ratgeberbuch auf den Markt werfen. Aber ich muss mich eilen, sonst kommt mir bestimmt so ein englischer Philosoph zuvor!!!
Als ich eben nach einem erhellenden Abschlusszitat zum Thema Seele gesucht hab, fand ich keins. Da fiel mir dieses ein, das ich sogar wirklich passend finde. Es ist von van Gogh und stammt aus einem Brief an seinen Bruder. Für mich drückt es das Gefühl aus, das ich mit Seele verbinde.
„Ich habe eine fürchterliche Sehnsucht nach - nennen wir es ruhig so - Religion. Dann gehe ich hinaus in die Nacht und male die Sterne.”
Schön, oder?
Dienstag, 8. Dezember 2009
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Ich glaub, Du hast meine berührt.
AntwortenLöschenIst aber auch ein tolles Thema. Ich les' gerade heimlich die "Kulturgeschichte der Neuzeit" von Egon Fridell und versuche zwischen den Zeilen seinem Verständnis von Seele zu folgen.
AntwortenLöschenEcht krass, wie unbekannt mir (uns?) der Begriff geworden ist.
Das "Kulturgeschichte" ist von 1927 - wahrscheinlich hat die menschliche Seele den Holocaust nicht überlebt. Abschied von der Seele, für mich macht's gerade Sinn (derilier').