Dann eben mit Gewalt!

Wir äußern uns mit viel Liebe zu aktuellen & zeitlosen Themen.
Bis wir die Beherrschung verlieren.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Werbung um 1580

Bis heute arbeitet Werbung erfolgreich mit Angst.
Heute: Die Angst davor, dass das Deo versagt, was soziale Sanktionen nach sich zieht.
Früher: siehe Beispiel.
Aber vorher ein Disclaimer: das Zitat stammt aus der 1927 erschienenen "Kulturgeschichte der Neuzeit" von Egon Friedell und ich zitiere es buchstabengetreu. Aber mir rollen sich bei Worten wie "Rasse" und "verweichlicht" die Zehennägel hoch.

(Im Zitat geht es um die Kolonisierungspraxis der Spanier unter Philipp dem Zweiten)
"Ihr einziges Wirtschaftsprinzip war die primitive Ausplünderung der Eingeborenen. Dieser dienten die brüchtigten ripartimentos, die zwangsweisen Verteilungen wertloser europäischer Importwaren zu Phantasiepreisen. Als diese Einnahmequelle bald versiegte, begannen sie mit der Exploitierung des Landes durch ebenfalls zwangsweise Arbeit. Aber die rote Rasse, durch ein jahrhundertelanges Leben in einer milden Natur und unter einer ebenso milden Regierung verweichlicht, war diesen Anforderungen nicht gewachsen, viele erlagen den Anstrengungen, andere flohen in die Wildnis und der Rest griff zum systematischen Selbstmord. Entweder vernichteten sie sich selbst durch Pflanzengift oder ihre Nachkommenschaft durch Enthaltung vom Geschlechtsverkehr. Nur wenige harrten aus: das waren jene, die von den spanischen Priestern erfahren hatten, dass sie auch im Jenseits Weiße vorfinden würden.

Nahezu genialer Einfall der Priester würde ich mal sagen.
Musstest du bei den ripartimentos eigentlich auch an heutige Praxis von Marken & Luxusmarken denken?
Meine Fresse, es gibt wenig Neues unter der Sonne.

Aber wer war dieser Herr Fridell? Ein Kabarettist mit Doktorwürde, der schließlich die oben genannte Kulturgeschichte schrieb. Spannender Mensch (siehe Wikipedia) und ein spannendes Buch. Ich flitz da gerade durch und kann gar nicht genug davon bekommen - spricht für Fridells Ansicht, dass Geschichtsschreibung durch Anekdoten die interessantere ist. Zusätzlich spannend ist es natürlich dadurch, dass es inzwischen selbst ein geschichtliches Dokument ist, was sich eben durch einige Begriffe (siehe Zitat) und einige Ansichten immer wieder deutlich macht. Und es ist das erste Buch in meinem über 30-jährigen Leben, bei dem ich das Bedürfnis habe, interessante Stellen am Rand zu kennzeichnen. Die oben zitierte gehörte dazu.

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